Ich tauche oft an denselben Orten.
Manche davon kenne ich seit Jahren, andere begleiten mich regelmäßig durch Ausbildungen oder einfach, weil sie nahe an meinem Zuhause liegen. Für viele klingt das nach Routine. Nach Wiederholung. Vielleicht sogar nach Langeweile.
Für mich ist es das Gegenteil.
Vertraute Orte unter Wasser
Wenn man immer wieder an denselben Tauchplätzen unterwegs ist, kennt man irgendwann die Struktur. Man weiß, wo der Abbruch beginnt, wo sich kleine Spalten verbergen, wo oft Leben zu finden ist und wo eher Ruhe herrscht. Diese Vertrautheit nimmt Druck. Man muss nichts „abarbeiten“, nichts suchen, nichts beweisen.
Gerade bei Ausbildungstauchgängen ist das ein großer Vorteil. Der Fokus liegt nicht auf dem Ort, sondern auf dem Tauchen selbst – auf dem Lernen, dem Erleben, dem Miteinander. Und trotzdem passiert jedes Mal etwas anderes.
Kein Tauchgang ist wie der andere
Auch wenn der Einstieg derselbe ist, der Weg derselbe, die Tiefe ähnlich – jeder Tauchgang erzählt seine eigene Geschichte.
Manchmal sind es andere Tiere, die sich zeigen. Ein Fisch, der sonst nie da war. Ein Oktopus, der plötzlich aus einer Spalte schaut. Oder ein Schwarm, der den gesamten Platz für einen Moment verwandelt.
An anderen Tagen ist es nicht das Leben, sondern die Stimmung.
Das Licht fällt anders ins Wasser. Sonnenstrahlen brechen durch die Oberfläche, tanzen über den Grund, zeichnen Muster auf Felsen oder Sand. Es gibt Tauchgänge, in denen das Licht den gesamten Platz verändert – weich, ruhig, fast magisch. Und plötzlich wirkt ein Ort, den man „kennt“, völlig neu.
Vom unscheinbaren Platz zum magischen Moment
Ich habe Tauchplätze erlebt, die bei einem Tauchgang auf den ersten Blick eher unspektakulär wirkten. Keine dramatischen Wände, keine auffälligen Formationen. Und beim nächsten Tauchgang, manchmal nur Tage später, waren sie kaum wiederzuerkennen.
Ein anderer Lichteinfall. Eine andere Strömung. Mehr Ruhe im Wasser.
Und plötzlich entsteht eine Atmosphäre, die man nicht planen kann – man kann sie nur erleben.
Diese Momente lassen sich nicht erzwingen. Sie entstehen, wenn man bereit ist, sich treiben zu lassen. Wenn man nicht erwartet, dass „etwas passieren muss“, sondern einfach da ist.
Sich der Unterwasserwelt hingeben
Aus meiner Erfahrung ist so gut wie jeder Tauchplatz interessant, wenn man ihm die Chance gibt. Wer sich der Unterwasserwelt hingibt, statt sie kontrollieren zu wollen, wird oft belohnt. Wenn man langsamer wird, genauer hinschaut, sich von kleinen Details leiten lässt, entfaltet selbst ein scheinbar unscheinbarer Ort seine eigene Faszination.
Tauchen ist nicht nur Bewegung im Raum, sondern Wahrnehmung.
Je öfter man an einem Ort taucht, desto mehr beginnt man, ihn zu lesen. Kleine Veränderungen fallen auf. Stimmungen werden spürbar. Der Platz wird vertraut – und gleichzeitig nie ganz vorhersehbar.
Neu entdecken und Altbewährtes schätzen
Natürlich tauche ich auch gerne neue Tauchplätze. Neues zu entdecken, unbekannte Strukturen, andere Bedingungen – all das gehört für mich genauso zum Tauchen dazu. Aber ich habe keinerlei Problem damit, immer wieder an altbewährte Plätze zurückzukehren.
Im Gegenteil: Diese Orte geben mir Ruhe. Sie erinnern mich daran, dass es beim Tauchen nicht darum geht, immer weiter, tiefer oder spektakulärer zu werden. Sondern darum, präsent zu sein. Wahrzunehmen. Und sich immer wieder neu überraschen zu lassen – selbst dort, wo man glaubt, schon alles zu kennen.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum mir dieselben Tauchplätze nie langweilig werden:
Weil sie sich nicht verändern müssen – ich tue es.





