Phil Anderegg – SSI Scuba Diving Instructor Logo

Warum man manchmal den Tauchcomputer vergessen sollte (zumindest gedanklich)

Keine Sorge.

Ich möchte dir ganz sicher nicht empfehlen, ohne Tauchcomputer zu tauchen.

Ganz im Gegenteil.

Ein Tauchcomputer gehört heute für mich selbstverständlich zur Ausrüstung und ist ein wichtiges Sicherheitsinstrument.

Aber irgendwann verändert sich seine Rolle.

Am Anfang schaut man ständig darauf

Ich glaube, fast jeder Taucher kennt das.

Tiefe.

Zeit.

Nullzeit.

Temperatur.

Aufstiegsgeschwindigkeit.

Alle paar Sekunden wandert der Blick zum Display.

Und das ist völlig normal.

Gerade am Anfang gibt der Computer Sicherheit.

Mit der Erfahrung verändert sich der Blick

Irgendwann passiert etwas Interessantes.

Der Computer wird vom Mittelpunkt zum Begleiter.

Er ist immer noch wichtig.

Aber er bestimmt nicht mehr den gesamten Tauchgang.

Man entwickelt ein Gefühl.

Für die Tiefe.

Für die Tarierung.

Für den eigenen Luftverbrauch.

Für den Rhythmus des Tauchgangs.

Technik soll unterstützen – nicht dominieren

Moderne Tauchcomputer können unglaublich viel.

Sie liefern Informationen.

Warnungen.

Berechnungen.

Und das ist gut so.

Aber sie sollen uns helfen.

Nicht dafür sorgen, dass wir den ganzen Tauchgang auf ein Display schauen.

Denn während wir nach unten auf unseren Computer blicken, verpassen wir manchmal genau das, weshalb wir eigentlich ins Wasser gegangen sind.

Der Computer kennt deine Gefühle nicht

Er weiß:

Wie tief du bist.

Wie lange du schon tauchst.

Wie schnell du aufsteigst.

Aber er weiß nicht:

Ob du gerade vollkommen entspannt bist.

Ob dich ein Sonnenstrahl fasziniert.

Ob ein Oktopus dich neugierig beobachtet.

Oder ob du einfach diesen einen stillen Moment genießt.

Erfahrung bedeutet nicht, weniger auf Sicherheit zu achten

Das ist mir wichtig.

Auch nach vielen Jahren schaue ich selbstverständlich regelmäßig auf meinen Computer.

Ich überprüfe meine Tiefe.

Meine Tauchzeit.

Meine Dekompressionsgrenzen.

Und meinen Luftvorrat.

Der Unterschied ist nur:

Ich lasse nicht zu, dass das Display meine gesamte Aufmerksamkeit bekommt.

Nicht jede Sekunde muss kontrolliert werden

Tauchen lebt auch vom Vertrauen.

Vom Vertrauen in die eigene Ausbildung.

In die Erfahrung.

In den Buddy.

Und in die eigenen Fähigkeiten.

Je routinierter viele Abläufe werden, desto mehr Raum entsteht für das eigentliche Erlebnis.

Das verbindet sich direkt mit Warum Routine unter Wasser etwas Gutes ist.

Manchmal lohnt es sich, den Blick wieder zu heben

Wenn du das nächste Mal tauchst, probiere etwas aus.

Nachdem du deinen Computer kontrolliert hast, heb den Blick wieder.

Schau nach vorne.

Oder nach oben.

Beobachte das Licht.

Den Fischschwarm.

Deinen Buddy.

Vielleicht merkst du plötzlich, wie viel um dich herum passiert.

Der Computer ist ein Werkzeug

Nicht mehr.

Aber auch nicht weniger.

Er hilft uns, sicher zu tauchen.

Und genau dafür ist er da.

Doch er sollte niemals das Meer ersetzen.

Vielleicht ist genau das der richtige Umgang mit Technik

Sicherheit zuerst.

Immer.

Aber wenn alles kontrolliert ist, darf der Blick auch wieder dorthin wandern, wo die eigentliche Magie liegt.

Nicht auf das Display.

Sondern in die Unterwasserwelt.

Denn am Ende erinnern wir uns selten daran, welche Tiefe unser Computer angezeigt hat.

Wir erinnern uns daran, was wir erlebt haben.

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