Phil Anderegg Scuba Diving Instructor

Wie Vertrauen hilft, die Angst vor dem Wasser zu überwinden

In meiner Arbeit als Tauchlehrer erlebe ich eines immer wieder: Menschen wollen Tauchen lernen, trauen sich aber zunächst nicht ins Wasser. Manche können kaum schwimmen, andere sind regelrecht wasserscheu oder hatten in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen. Doch genauso oft sehe ich, wie genau diese Menschen wenige Stunden später mit leuchtenden Augen durch das Wasser gleiten – frei, ruhig und voller Freude.

Diese Entwicklung ist einer der Gründe, warum ich meinen Beruf so liebe.

Der schwierigste Moment ist oft der erste

Viele, die zu mir kommen, haben den Wunsch, die faszinierende Unterwasserwelt zu entdecken, wissen aber nicht, ob sie den Mut finden, ihre Angst vor dem Wasser zu überwinden. Schon der Einstieg ins flache Becken kann eine Herausforderung sein. Das Atmen unter Wasser, das ungewohnte Equipment oder die Geräusche im Kopf erzeugen Unsicherheit – und das ist völlig normal.

Entscheidend ist, dass niemand diese Reise allein geht.

Warum Vertrauen der Schlüssel in der Tauchausbildung ist

Einer der wichtigsten Aspekte beim Tauchen lernen ist, dass Schüler*innen ihrem Tauchlehrer vertrauen können. Eine gute Verbindung schafft Sicherheit – und Sicherheit schafft Mut.

Für mich bedeutet das konkret:

  • mir Zeit für jeden Schüler zu nehmen
  • zuzuhören und Unsicherheiten ernst zu nehmen
  • niemanden zu drängen, sondern jedem das Tempo zu lassen, das er braucht
  • mit kleinen, hilfreichen Tipps zu unterstützen
  • Fortschritte sichtbar zu machen und positiv zu motivieren

Wenn dieses Vertrauen entsteht, verändert sich der gesamte Lernprozess. Die Anspannung lässt nach, die Bewegungen werden ruhiger und die Konzentration richtet sich nicht mehr auf die Angst – sondern auf das Erleben.

Wenn aus Wasserscheu Faszination wird

Fast magisch ist der Moment, wenn Schüler*innen zum ersten Mal vergessen, dass sie eigentlich Angst hatten. Unter Wasser verlagert sich der Fokus plötzlich komplett: auf das Schweben, die Farben, das Licht und die besondere Ruhe. Die Atmung wird gleichmäßiger, die Bewegungen natürlicher. Die Unterwasserwelt zieht die Gedanken an – und die Unsicherheit tritt Schritt für Schritt in den Hintergrund.

Ich sehe dann nicht nur technische Fortschritte, sondern echte Freude. Genau diese Momente machen das Tauchen lernen so besonders.

Nicht jeder legt die Angst ab – aber die meisten tun es

Natürlich gibt es auch Fälle, in denen Menschen ihre Wasserscheu nicht vollständig überwinden können. Manche Ängste sitzen sehr tief. Auch das gehört zur Realität eines verantwortungsvollen Tauchlehrers. Doch aus meiner Erfahrung sind diese Fälle eher selten. Die meisten entdecken mit Geduld, persönlicher Betreuung und einer vertrauensvollen Atmosphäre, dass das Wasser kein Gegner ist, sondern ein Ort voller neuer Möglichkeiten.

Ein Privileg, diese Entwicklung begleiten zu dürfen

Zu beobachten, wie jemand Selbstvertrauen gewinnt, wie der erste zögerliche Kontakt mit dem Wasser zu echter Begeisterung wird, ist unbezahlbar. Es macht mich jedes Mal stolz, wenn ein Schüler oder eine Schülerin sagt: „Ich hätte nie gedacht, dass ich das schaffe.“

Und genau deshalb liebe ich meinen Job.
Weil ich Menschen dabei begleiten darf, ihre Angst loszulassen – und in eine Welt einzutauchen, die ihnen ein ganz neues Gefühl von Freiheit schenkt.